Das Wichtigste in Kürze
Der Amazon-Algorithmus bewertet Produkte nach Relevanz, Verkaufsvolumen und Kundenzufriedenheit – und entscheidet damit über deine Sichtbarkeit.
Wer Preis, Keywords, Bewertungen und Traffic steuert, verbessert sein Ranking nachhaltig und steigert seine Conversion Rate messbar.
So gehst du vor: Analysiere dein Listing mit Helium 10, optimiere Titel und Keywords nach A10-Kriterien und überwache deine Leistung im Seller Central.
Einführung in den Amazon-Algorithmus
Ein System mit einem einzigen Ziel
Der Amazon-Algorithmus ist ein automatisiertes Bewertungssystem, das die Reihenfolge von Produkten in den Suchergebnissen festlegt. Sein primäres Ziel ist nicht die Sichtbarkeit der Händler, sondern die Kaufwahrscheinlichkeit für den Kunden. Amazon priorisiert Produkte, bei denen die Plattform den höchsten Umsatz erwartet. Hunderte von Signalen fließen in diese Bewertung ein – von der Klickrate über die Conversion Rate bis hin zu Retouren und Kundenbewertungen.
Wie Amazon sein Rankingsystem grundlegend überarbeitete
Amazon entwickelte seinen ersten Suchalgorithmus unter dem Namen A9. Das Modell konzentrierte sich primär auf interne Verkaufsdaten. Externem Traffic, Markenpräsenz und Käuferverhalten außerhalb der Plattform wurde kaum Gewicht beigemessen. Amazon erkannte diese Schwäche und entwickelte den A10-Algorithmus, der ein deutlich breiteres Spektrum an Signalen auswertet und Marken mit aktivem digitalem Marketing gezielt belohnt.
Sichtbarkeit entscheidet über Erfolg oder Misserfolg
Für Händler ist der Amazon-Algorithmus existenziell: Rund 70 Prozent aller Käufer klicken ausschließlich auf Produkte der ersten Suchergebnisseite. Wer dort nicht erscheint, existiert für die meisten Käufer praktisch nicht. Für Käufer sorgt der Algorithmus dafür, dass relevante, gut bewertete und fair bepreiste Produkte schnell auffindbar sind. Beide Seiten profitieren – vorausgesetzt, das System wird verstanden und konsequent berücksichtigt.
Unterschied zwischen dem Amazon- und Google-Algorithmus
Google bewertet Inhalte nach Relevanz, Autorität und Nutzererfahrung. Amazon denkt transaktional: Hier steht die Kaufabsicht im Vordergrund. Während Google eine Website nach ihrer informativen Qualität beurteilt, bewertet Amazon ein Produkt danach, ob es tatsächlich verkauft wird. Keywords spielen bei beiden Systemen eine Rolle – auf Amazon zählt am Ende jedoch ausschließlich die Conversion, nicht die bloße Seitenaufrufzahl.
A9-Algorithmus: Grundlagen und Funktion
Amazons erstes strukturiertes Rankingsystem
Der A9-Algorithmus bildete die Grundlage für die heutige Suchinfrastruktur von Amazon. Der Name A9 stammt von der gleichnamigen Amazon-Tochtergesellschaft, die den Algorithmus ursprünglich entwickelte – heute ist diese Einheit nicht mehr eigenständig aktiv. Im Kern analysierte A9, wie gut ein Produkt zu einer Suchanfrage passt und wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Kaufabschlusses ist. Für seine Zeit war das System wegweisend – gemessen an heutigen Anforderungen jedoch zu eindimensional.
Matching und Ranking als zweistufiger Prozess
A9 arbeitete nach einem zweigliedrigen Prinzip. Zunächst filterte das System alle Produkte heraus, die zur eingegebenen Suchanfrage inhaltlich passen – dieser Schritt wird als Matching bezeichnet. Danach folgte das Ranking, bei dem die gefilterten Produkte nach ihrer Kaufwahrscheinlichkeit sortiert wurden. Verkaufshistorie, Produkttitel, Backend-Keywords sowie Kundenbewertungen bildeten die zentralen Bewertungsgrundlagen.
Direkte und indirekte Einflussfaktoren
Die Rankingfaktoren im A9-System lassen sich in zwei Kategorien einteilen.
- Direkte Faktoren umfassen Keyword-Relevanz, Preis, Verfügbarkeit und Conversion Rate.
- Indirekte Faktoren betreffen Kundenzufriedenheit, Bewertungen und Retourenquoten.
Eines ist dabei unbestritten: Je weiter hinten ein Produkt in den Suchergebnissen erscheint, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Käufer es überhaupt zu Gesicht bekommt – die erste Seite entscheidet in den meisten Fällen über Sichtbarkeit oder Unsichtbarkeit.
Wettbewerbsfähige Preise als Rankingfaktor
Der Preis wird im Algorithmus aktiv gewichtet. Amazon bevorzugt wettbewerbsfähige Preise, da sie die Conversion Rate steigern. Wer dauerhaft über dem Marktdurchschnitt liegt, riskiert eine schlechtere Positionierung. Besonders relevant ist die sogenannte Buy Box: Sie entscheidet, welcher Händler als Hauptanbieter eines Produkts angezeigt wird. Preis, Liefergeschwindigkeit und Händlerbewertung sind die drei entscheidenden Kriterien für deren Vergabe.
Schwächen und Grenzen des A9-Algorithmus
Der A9-Algorithmus berücksichtigte externen Traffic kaum. Wer über Instagram, Google oder einen Blog Interessenten auf sein Amazon-Listing leitete, wurde dafür nicht belohnt. Zudem neigte das System dazu, etablierte Bestseller strukturell zu bevorzugen und Neueinsteiger systematisch zu benachteiligen. Da Amazon offiziell nie ein Update kommuniziert hat, lässt sich kein konkreter Zeitpunkt für den Wechsel benennen – die Branche beobachtete jedoch über mehrere Jahre hinweg eine schrittweise Verschiebung der Gewichtungsfaktoren, die heute unter dem Begriff A10 zusammengefasst wird.
Die neue Algorithmus-Generation A10
Mehr Gewicht für Marken mit digitalem Ökosystem
Der A10-Algorithmus ist keine radikale Neuentwicklung, sondern eine konsequente Weiterentwicklung von A9. Die bedeutendste Änderung betrifft die Gewichtung von externem Traffic: Amazon honoriert nun explizit, wenn Nutzer über externe Kanäle auf ein Listing gelangen und dort einen Kauf abschließen. Das stärkt Marken, die aktiv in ihr digitales Marketing investieren, und schwächt rein passive Listenstrategien ohne Außenwirkung.
Seller Authority, organische Verkäufe und Klickrate
Neben externem Traffic spielen im A10-System mehrere Faktoren eine stärkere Rolle: die Seller Authority – also die Gesamtperformance eines Händlerkontos – sowie organische Verkäufe im Vergleich zu bezahlten, die Impressionsrate bei gesponserten Anzeigen und die Click-through-Rate aus den Suchergebnissen. Gesponserte Produkte wirken sich im A10-Modell deutlich weniger stark auf das organische Ranking aus als noch unter A9.
Amazon-Algorithmus verstehen: A9 vs. A10
Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick
| Merkmal | A9 | A10 |
|---|---|---|
| Externer Traffic | kaum berücksichtigt | stark gewichtet |
| Bezahlte Anzeigen | fördern organisches Ranking | geringerer Einfluss |
| Seller Authority | nebensächlich | zentraler Faktor |
| Organische Verkäufe | wichtig | sehr wichtig |
| Kundenbindung | nachrangig | stärker gewichtet |
Einfluss von externem Traffic
Wer Nutzer über Google Ads, Instagram oder TikTok auf Amazon leitet, sendet dem Algorithmus ein starkes Relevanzsignal. Amazon interpretiert diesen Traffic als Beweis für Markennachfrage jenseits der Plattform. Eine Analyse von Jungle Scout belegte, dass Listings mit signifikantem externem Traffic eine bis zu 35 Prozent höhere organische Rankingverbesserung verzeichneten als vergleichbare Produkte.
Algorithmus beeinflussen und zurücksetzen
Algorithmus zurücksetzen: Möglichkeiten und Grenzen
Ein vollständiges Zurücksetzen des Algorithmus für ein bestehendes Produkt-Listing ist technisch nicht möglich. Amazon stellt keine Funktion bereit, die die gesamte Rankinghistorie eines Listings löscht. Was Händler jedoch tun können: das Listing deaktivieren, Optimierungen vornehmen und es anschließend reaktivieren. In manchen Fällen hilft das Erstellen eines neuen Listings mit einer neuen ASIN. Dabei geht jedoch die bestehende Bewertungshistorie verloren – ein Schritt, der sorgfältig abgewogen sein will.
Prime-Algorithmus zurücksetzen und löschen
Der Empfehlungsalgorithmus von Amazon Prime lernt kontinuierlich aus dem Nutzungsverhalten. Um diese Daten zurückzusetzen, navigiere im Amazon-Konto zu Mein Konto → Datenschutzeinstellungen → Browserverlauf löschen sowie Empfehlungen verwalten. Dort lassen sich einzelne Datenpunkte gezielt entfernen. Ein vollständiges Zurücksetzen des gesamten Empfehlungsprofils ist ausschließlich über den Amazon-Kundendienst möglich.
Video-Algorithmus zurücksetzen
Der Prime Video Algorithmus personalisiert Filmempfehlungen auf Basis deiner Sehgewohnheiten. Um ihn zurückzusetzen, öffne Amazon Prime Video und melde dich an. Klicke auf dein Profilsymbol oben rechts und wähle Einstellungen → Datenschutz. Unter Wiedergabeverlauf kannst du einzelne Titel oder den gesamten Verlauf löschen. Die Empfehlungen passen sich innerhalb weniger Tage automatisch an das neue Nutzungsprofil an. Eine vollständige Datenlöschung ist über die DSGVO-konforme Anfrage im Bereich Meine Daten möglich.
Amazon Music-Algorithmus zurücksetzen
Der Amazon Music Algorithmus erstellt personalisierte Playlists wie My Soundtrack auf Basis des Hörverhaltens. Um ihn zurückzusetzen, öffne die Amazon Music App, tippe auf das Profil-Icon und wähle Einstellungen → Datenschutz und Personalisierung. Dort findest du die Option, den gesamten Hörverlauf zu löschen. Nach dem Zurücksetzen benötigt der Algorithmus erfahrungsgemäß ein bis zwei Wochen, um präzise Empfehlungen auf Basis des neuen Nutzungsverhaltens zu generieren.
Amazon-Algorithmus löschen: Das sind deine Optionen
Das vollständige Abschalten des Amazon-Algorithmus ist weder möglich noch sinnvoll. Was europäische Nutzer jedoch haben, ist ein gesetzlich verankertes Recht: Gemäß Artikel 17 der DSGVO kannst du eine vollständige Datenlöschungsanfrage stellen. Über die Datenschutzseite von Amazon lassen sich Kauf- und Browserdaten, Empfehlungsprofile sowie personalisierte Inhalte zur Löschung anfordern. Amazon ist verpflichtet, dieser Anfrage innerhalb von 30 Tagen nachzukommen.

